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Holländische Familie findet Vorfahren in Butjadingen

Theodor Schmidt aus dem holländischen Delft kann eine Lücke in seinem Stammbaum nun ausfüllen. Der Oldenburger Heimatforscher Hans Hermann Francksen erbrachte nun den Nachweis, dass die Vorfahren seiner Frau aus Butjadingen stammen. Dabei waren die Angaben zunächst sehr vage: HeiHeiAuf der Suche nach den Vorfahren war man bis zum Jahre 1782 zurück gekommen. In diesem Jahre heiratete in der Kirche von NieuwePekela in der Provinz Groningen ein Eilardus Sleehuis van Butjaarlant. So steht der Name im dortigen Kirchenbuch eingeschrieben.

Nachdem nun das Ehepaar Schmidt herausgefunden hatte, daß Butjaarlant heute Butjadingen heißt und in Deutschland liegt, mussten sie dann aber feststellen, dass der Name Sleehuis hier wie in benachbarten Orten völlig unbekannt ist. Da man so nicht weiter kam, landete denn der Fall schließlich bei Hans Hermann Francksen.

Francksen wusste, dass dass Namen in vergangenen Zeiten verändert wurden. Hochdeutsches wurde plattdeutsch ausgesprochen und aufgeschrieben. Umgekehrt gab es Pastoren, die partout keine plattdeutschen Namen in ihren Büchern duldeten. Statt Koopmann schrieben sie Kaufmann, aus Wulf wurde Wolf, aus Linnewewer Leineweber. Bei hochdeutschen Namen mit einem „de“ in der Mitte – wie etwa Tiedemann, Sandemann oder Lindemann – entfiel bei plattdeutscher Aussprache dieses „de“ und wurden zu Tiemann, Sammann und Linnemann. 

Nun wusste Francksen aus seiner früheren Forschungsarbeit, dass es um 1680 in Burhave einen Amtsvogt mit Namen Adam von Schledehausen gegeben hatte. Ließe man auch aus diesem Namen das „de“ wegfallen, bliebe ein Schlehausen übrig, und wenn man diesen Namen dann holländisch ausspricht, wird aus „Schle“ ein „Sle“, und aus „haus“ ein „huis“. So entstand bei Francksen bald der Verdacht, dass Eiladus Sleehuis van Butjaarlant, der 1782 in NieuwePekela geheiratet hatte, um 1750/55 irgendwo in Butjadingen als Eilert Schledehausen oder Schlehausen geboren sein könnte.

Durch Zufall stieß er wenig später auf den Namen Schlehus im Stollhammer Kirchenbuch. Nun konnte er die Daten dazu ermitteln und dem Herrn Schmidt in Delft mitteilen, dass der Vorfahr seiner Frau am 23.11.1752 als Eilert Schlehusen in Stollhamm geboren wurde. Seine Eltern waren die Pächter einer kleinen Landstelle: Harmen Schlehusen und seine Frau Lücke. Auch die Verwandtschaft mit dem Burhaver Vogt Adam von Schledehausen ließ sich nachweisen.

Damit war der „Forschungsauftrag“ eigentlich erledigt, wenn nun nicht Hans-Hermann Francksen die neugierig geworden wäre, wie es geschehen konnte, dass die Nachkommen eines hohen Beamten adeliger Herkunft in so dürftige Verhältnisse abgerutscht waren? Vermutlich war der Stammsitz dieser Familie ist die Burg in dem Orte Schledehausen bei Osnabrück. Als 1675 in Burhave ein Seelenregister erstellt wurde, wohnte Adam von Schledehausen mit seiner Frau Dorothea, vier kleinen Kindern und 5 Dienstboten auf einem Hof in Hollwarden.

Sein wirtschaftlicher Ruin setzte ein, als 1679 die mit Dänemark verfeindeten Franzosen ins (damals) zu Dänemark gehörende Oldenburg einfielen und der Bevölkerung eine gewaltige Summe Geldes abforderte. Das Einziehen dieser Umlage oblag den Amtsvögten, die nun aber in höchste Not gerieten, weil in dem verarmten Lande kaum mehr Geld vorhanden war.

Adam von Schledehausen war deshalb gezwungen, die fehlende Summe anleihen. Als aber in den folgenden Jahren dies Geld zurückgezahlt werden sollte, war es einfach nicht aufzutreiben. Nun hielt man sich an die Vögte. Da auch der Staat nicht einspringen wollte, bedeutete das für Schledehausen nicht allein den Konkurs, sondern zog gleichzeitig seine Entlassung aus dem Dienst mit sich. Das geschah im Juni 1680. Aus weiteren Aufzeichnungen geht hervor, dass die Familie bereits wenig später total verarmt war.

Hans-Rudolf Mengers

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