RÜSTRINGER HEIMATBUND e. V.

 

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Zu jüdischen Mitbürgern wurden geschäftliche Beziehungen gepflegt

Bei seinen vielfältigen Forschungen hat Hans Hermann Francksen auch einiges über jüdische Mitbürger in Erfahrung bringen können. In seinem Hofarchiv befinden sich nämlich die Protokolle der Ruhwarder Bauerschaft aus der Zeit zwischen 1750 bis 1800. Daraus geht hervor, dass um 1755 ein Jude namens Caiphas Levi in Ruhwarden wohnte. Der musste an die Bauerschaft oft Strafe zahlen, weil er nicht erschienen war, wenn zu Gemeinschaftsarbeit aufgerufen wurde. Er zog das wohl vor, anstatt sich bei Wegearbeiten von Rüpeln, die sich immer hervortun müssen, anpöbeln zu lassen.

Vogelfrei war er aber keineswegs. Als man ihn einmal schrecklich verprügelt hatte, wurde der Übeltäter streng bestraft, und als man ihm sein Salzfaß aus dem Hause gestohlen hatte, wurde – so verlangte es die Bauerschaftsordnung – so lange gesucht, bis der Dieb gefasst war und bestraft werden konnte.

Bei einem anderen Juden, Hersch Latzarus in Hamburg, ließ sich Ide Francksen, ein Vorfahre von Hans H. Francksen, 1760 eine Petschaft anfertigen. Das war ein kleiner Namensstempel aus Metall, den man beim Verschließen eines Briefs in den warmen Siegellack drückte. Dies Geschäft vermittelte ein Schiffer aus Fedderwarden, der regelmäßig nach Hamburg fuhr.

Ein altes Geschäftsbuch aus der gleichen Zeit stammt von einem anderen Vorfahren, Lüder Kloppenburg in Colmar bei Strückhausen. Dieser betrieb einen ausgedehnten Pferdehandel. Im Frühjahr kaufte er ein, vor allem auf den Pferdemärkten in Aurich, und verkaufte die Tiere im Herbst wieder auf den Märkten in Ovelgönne, aber auch in Bremen und Hannover. Vor allem in Hannover waren die Käufer vielfach Juden, die im Buch alle namentlich genannt werden.

In einer Zeitungsmeldung des Jahres 1754 hat Hans H. Francksen gelesen: „Der gewesene Jude Marcus Moses Goldschmidt ist in der Lambertikirche getauft worden und heißt jetzt Friedrich Christian Oldenburg.“ Als er dann später einmal etwas im Blexer Kirchenbuch nachsehen wollte, war er nicht wenig erstaunt, dort folgenden Eintrag zu finden: „Verlobung 22.7.1758. Tanzmeister Friedrich Christian Oldenburg und Mechthild Catharine Michaelsen, Witwe des Jürgen Michaelsen in Blexen.“ Was jedoch den Oldenburg plötzlich zum Tanzmeister befähigte, blieb allerdings fragwürdig. Es waren oft ziemlich windige Typen, die sich zu diesem Beruf hingezogen fühlten, wie Francksen auch von anderer Stelle wusste.

Zu dieser Sorte gehörte auch ein Johann Bernhard Grolle, der etwa zur selben Zeit in Burhave seine Aufwartung machte. Er trieb es dort schließlich aber so bunt, dass sich der Pastor Behrens veranlasst sah, dem Amtsvogt folgenden Brief zu schreiben: „Von dem neuen Tanzmeister, der sich hier eingedrungen und die Leute unnützerweise ums Geld bringet, höret man viel Böses, in Sonderheit, daß er in den Häusern wo er übernachtet, bey die Mägde ins Bett hineintanzet.“ Auch ging die Rede, dass er zuvor schon in der Blexer Gemeinde mehrere Frauen verführt haben sollte.

Nach diesen Anfeindungen begab sich der erst 21 Jahre alte Tanzmeister Groll nach Ruhwarden und heiratete dort wenig später die um 30 Jahre ältere Witwe des Krugwirts Brunssen.

Hans-Rudolf Mengers

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