RÜSTRINGER HEIMATBUND e. V.

 

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Vogteikarten als Ergebnis der ersten Landesvermessung

Beim heimatkundlichen Klönabend des Rüstringer Heimatbundes berichtete der Archivar Wolfgang Engelhardt einmal über die frühen Landesvermessungen im Oldenburger Land. Eine große Hilfe waren ihm dabei die Arbeiten von Dr. Otto Harms. Sein Nachlass konnte vor einiger Zeit vom Rüstringer Heimatbund erworben werden.

Dr. Otto Harms war Leitender Vermessungsdirektor in Oldenburg und hat in mehr als einhundert Veröffentlichungen über die oldenburgische Landesvermessung und ihre Probleme berichtet. Erstmals wurde 1781 Georg Christian von Oeder vom Herzog Friedrich August mit der Vermessung des Landes Oldenburg beauftragt. Diese erste Landesaufnahme führte gegen Ende des 18. Jahrhunderts zum Druck der oldenburgischen Vogteikarte. Die Niedersächsische Historische Kommission gab übrigens in den sechziger und siebziger Jahren einen Nachdruck im Maßstab 1:25.000 heraus.

Aber dieses Werk ließ hinsichtlich der Genauigkeit noch viele Wünsche offen, zum Teil waren auch die hölzernen Markierungspunkte im Gelände verlorengegangen, so dass man sich vierzig Jahre später zu einer neuen Messung entschloss. In den Jahren 1821 bis 1844 nahm Carl Friedrich Gauß das damalige Königreich Hannover einschließlich der Oldenburger Gebiete trigonometrisch auf. Einer der Messpunkte befand sich übrigens im alten Dachreiter der Langwarder Kirche.

Zwischen Gauß und den Oldenburger Behörden fand ein reger Schriftwechsel statt. Es ist Dr. Harms‘ Verdienst, diesen aufgespürt und bearbeitet zu haben. So erfahren wir aus seinem Nachlass von den vielen Problemen, die Gauß bei seiner Arbeit hatte. Einmal beschwerte er sich über die kleinlichen Braunschweiger Zollbeamten. Immer wenn er ihre Grenze überschritt, musste er jedes Gepäckstück – und dazu gehörten auch die unentbehrlichen Messgeräte – einzeln wiegen lassen und verzollen. Dagegen standen ihm die Oldenburger Grenzen offen und er hatte auf behördliche Anordnung freie Fahrt und jede Hilfe.

Dr. Otto Harms wurde 1908 in Rüstringen (Wilhelmshaven) als Sohn eines Gendameriekommissars geboren. Sein Abitur machte er 1927 in Delmenhorst. Anschließend studierte er an der technischen Hochschule München Vermessungskunde und Kulturtechnik. Schon 1935 wurde er zum Leiter des Katasteramtes für den oldenburgischen Landesteil Lübeck in Eutin berufen. Nach dem Kriege fand er eine Anstellung beim Katasteramt Oldenburg. Diese Behörde leitete er dann von 1962 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1973. Er starb 1993 in Oldenburg.

In seinem Nachlaß fanden sich nicht nur seine eigenen Arbeiten, sondern auch viele Veröffentlichungen und Vorträge seines Schwiegervaters Adolf Schmeyers, der als Vermessungsingenieur von 1923 bis zu seinem Tode 1941 ebenfalls das Vermessungs und Katasterwesens im Freistaat Oldenburg geleitet hatte. Nebenher beschäftigte Schmeyers sich aber auch mit der Flur-, Orts- und Familiennamenforschung.

Alle diese Unterlagen befinden sich im Archiv des Rüstringer Heimatbunds. Wolfgang Engelhardt hat diesen Nachlass in geduldiger Arbeit geordnet und auch ein eigenes Findbuch dazu erstellt. So sind die Forschungen des Dr. Harms und seines Schwiegervaters Adolf Schmeyers zur Geschichte der Landesvermessung in Oldenburg allen interessierten Heimatkundlern und Forschern zugänglich.

Hans-Rudolf Mengers

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