RÜSTRINGER HEIMATBUND e. V.

 

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Der Wacholder ist eine alte Heilpflanze

Der Gemeine Wacholder ist der Baum des Jahres 2002. Obwohl er auf der Erde zu den am weitesten verbreiteten Nadelgehölzen gezählt wird, ist er in Deutschland eher selten geworden. Er gehört zur Familie der Zypressengewächse und kann 500 bis 2000 Jahre alt werden. Hans-Rudolf Mengers berichtete darüber einmal beim heimatkundlichen Klönabend des Rüstringer Heimatbundes.

Der Name Wacholder entwickelte sich aus dem mittelhochdeutschen Wecholter. Das Wort ist uralt und lässt sich auf indogermanische Wurzeln zurückführen. Dabei ist das weg/wech in Verbindung zu bringen mit binden, weben, wickeln, vermutlich, weil man die elastischen Zweige gerne zum Flechten benutzte. Die Endung der/ter, bedeutet Baum und ist in vielen Sprachen verbreitet. Das Englische tree ist ebenso damit verwandt wie das Deutsche treu und Trog. Die niederdeutsche Form ist übrigens Machandel und tritt mit diesem Namen häufig in alten Volksmärchen, -sagen auf. Von den Gebrüdern Grimm gibt es ein Märchen Von dem Machandelbaum.

Der Wacholder wächst meist als Strauch und ist in ganz Deutschland auf sonnigen Berghängen und in sandigen Heidegegenden heimisch. Das Holz ist wohlriechend und die ganze Pflanze entwickelt beim Brennen einen sehr angenehmen, balsamischen Duft. Die Beeren schmecken harzig, bitterlich süß und haben einen würzigen Geruch. Die Pflanze ist zweihäusig, es gibt also Pflanzen mit nur weiblichen oder nur männlichen Blüten. Nur der weibliche Strauch entwickelt aus den Blütenkätzchen Beeren, die zwei Jahre zur Reife benötigen. Die Blüte fällt in die Monate April und Mai; die reifen Beeren werden im Herbste gesammelt.

Viele Teile der Pflanze sind alte bewährte Hausmittel. Insbesondere dem aus den Beeren oder aus dem Holz gewonnenen Öl sagt man starke Heilwirkung nach. WacholderölTropfen auf Zucker täglich mehrmals eingenommen, üben einen günstigen Einfluss auf alle Verdauungsorgane aus; es erregt im Magen eine wohlige Wärme, steigert die Esslust, wirkt blähungswidrig und ist ein verdauungsförderndes Mittel.

Ähnlich wirkt auch der Wacholderschnaps. Gerade zu üppigen, fettreichen Speisen wird dieses Getränk gern gereicht. Bekannte Wacholdergetränke sind der englische Gin oder niederländische Genever. Aus dem Westfälischen stammt der Steinhäger und aus Norddeutschland der Bommelunder. Wirksam sind auch Dämpfe mit Wacholderöl, die man äußerlich auf die betroffenen Körperteile einwirken lässt.

Während der Wacholder in der heutigen Heilkunde nahezu vergessen ist, gab es doch Zeiten, wo er hoch geachtet war. Etwas von dieser Hochachtung erfuhr er wieder am Ende des 1. Weltkrieges, als die asiatische Grippe grassierte und unendlich viele Opfer in allen Teilen der Erde forderte. Da erinnerte man sich, dass das Kauen von Wacholderbeeren in Seuchenzeiten sich bewährt hatte. Zwar schmecken sie nicht angenehm, doch sie sollen eine gute Wirksamkeit gezeigt haben.

Forstwirtschaftlich ist der Wacholder nur von geringer Bedeutung. Aber er bietet Lebensraum für zahlreiche Insekten, Vögel und Pilze. Als Heilpflanze hat er eine uralte Tradition. Mit der Wahl zum Baum des Jahres soll diese zu Unrecht so vernachlässigte Pflanze wieder ins rechte Licht gerückt werden.

Hans-Rudolf Mengers

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