RÜSTRINGER HEIMATBUND e. V.

 

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Steppenflughühner entzückten die Ornithologen

Über eine ornithologische Rarität in unseren Breiten berichtete Hans-Rudolf Mengers einmal beim heimatkundlichen Klönabend des Rüstringer Heimatbunds. In alten Ausgaben der Butjadinger Zeitung hatte er Berichte über das gelegentliche Auftreten der Steppenflughühner (Syrrhaptes paradoxus) in Butjadingen gelesen.

Mehrmals im 19. Jahrhundert gab es Einflüge größerer Trupps von Steppenflughühnern in Mitteleuropa. Von 1860 bis 1863 wurden sie hier gesichtet, vor allem aber im Jahre 1888, als größere Verbände sogar die britischen Inseln erreichten und dort in mehreren Fällen brüteten. Seitdem sind sie allerdings nur noch ganz vereinzelt hier erschienen, zuletzt wohl im Jahre 1909.

Zuhause ist das Steppenflughuhn in den trockenen Ebenen und Steppen Mittelasiens, Chinas und der Mongolei. Sie ernähren sich rein pflanzlich, vorwiegend aber von Samen. Sie leben meistens am Boden, an den sie mit ihrem Äußeren hervorragend angepasst sind. Ihr Federkleid ist oben gelblich-weiß mit dunkleren Querstreifen, unten teils aschgrau, teils braun-schwarz. Die Brust ist lehmgrau. Unter und hinter dem Auge bemerkt man gelbliche Flecke.

Das Steppenflughuhn ähnelt in seiner Form und Größe unserem Rebhuhn, hat aber lange Flügel und Schwungfedern und gefiederte Füße. Sein Nest baut es in einer kleinen Mulde im Boden, dort hinein legt es vier grünlich- oder bräunlich-graue Eier.

Wenn sie auch einen Großteil ihrer Zeit am Boden verbringen, so sind diese Vögel doch hervorragende Flieger. „Sie fliegen pfeilgeschwind und in geschlossenen Ketten, ähnlich den Regenpfeifern und machen sich durch eigenartige Schreitöne bemerkbar“, beobachtete ein Vogelkundler im Jahre 1888.

Umstritten unter den Wissenschaftlern ist immer noch die systematische Stellung der Flughühner. Jedenfalls sind sie überhaupt nicht mit den Hühnervögeln verwandt, eher schon mit den Tauben, mit denen sie die sonst fast allen Vögeln fehlende Fähigkeit teilen, saugend zu trinken. So gesteht man ihnen heute oft eine eigene Ordnung zu.

Dass der Vogel hier heimisch werden könne, hatte man nach den früheren Erfahrungen mit diesem Gast ohnehin nicht erwartet. „Aber immerhin hat er doch unseren Ornithologen neues Interesse abgewonnen,“ hieß es in der gleichen Quelle.

Der Grund für das Verlassen seiner Heimat ist nicht bekannt. Vielleicht spielte dabei der Nahrungsmangel eine Rolle. So jedenfalls könnte man ein Sprichwort der innerasiatischen Nomadenvölker auffassen, in dem es heißt: „Wenn die Flughühner durchziehen, werden die Frauen billig.“

Hans-Rudolf Mengers

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