RÜSTRINGER HEIMATBUND e. V.

 

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Schon die Römer schätzten den Spargel

Zu den Frühjahrsfreuden zählt für die Feinschmecker hierzulande der Genuss des Spargels. Kaum vorstellbar, dass diese Pflanze erst seit wenigen Jahrhunderten bei uns auf der Speisekarte zu finden ist. Über die Kulturgeschichte dieses köstlichen Gemüses berichtete einmal beim heimatkundlichen Klönabend des Rüstringer Heimatbunds Hans-Rudolf Mengers aus Stollhamm.

Die noblen weißen Stangen sind bereits seit Menschengedenken eine geschätzte Delikatesse. In ägyptischen Königsgräbern findet man schon Wandmalereien, die Spargelbündel zeigen. Aber auch die Griechen und Römer kannten den Spargel, wobei die ursprüngliche Heimat des wildwachsenden Spargels in Vorderasien liegen dürfte.

Die Römer schätzten den edlen Geschmack des Gemüses und bemühten sich, Spargel als Kulturpflanze anzubauen. Bevorzugt kam der Spargel als Vorspeise und als Beilage zu Fischgerichten auf den Tisch. Die Griechen schätzten dagegen mehr die Heilwirkung der Pflanze. Der berühmteste Arzt der Antike, Hippokrates, bezeichnete Spargel erstmals als Heilpflanze, die bei „roter Ruhr und Harnwinden“ dienlich sei.

In einem späteren Kräuterbuch heißt es: „Die Wurzel in Wein gesotten und diesen getrunken, eröffnet die Leber, treibt aus die Gelbsucht, reinigt Nieren und Blase, hilft wider das Hüftweh. Dieser Wein stillt auch die Schmerzen der Zähne, wenn man ihn warm im Munde hält. Das Spargelkraut in Wein gesotten und übergelegt, kommt zu Hilfe den schmerzenden Nieren. Wer sich mit dem Öl, darin Spargeln zerquetscht sind, schmiert, den stechen die Bienen und Wespen nicht."

Obwohl der Spargel vermutlich mit den Römern auch zu den Galliern und Germanen kam, wurde er jedoch von diesen Völkern zunächst als Nahrungsmittel verschmäht. Noch im Mittelalter fand sich Spargel nur in den Kräutergärten der Klöster. Erst im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde er als Gemüse wiederentdeckt und vor allem an den Königs und Fürstenhöfen als Luxusgemüse genossen. Besonders schätzte man ihn an Hofe des Sonnenkönigs, Ludwig XIV., in Frankreich. Allerdings wurde Spargel nur in geringem Umfang angepflanzt, der den Bedarf der Oberschicht zu decken hatte.

In den deutschen Landen nahm sich zuerst Johann Casimir, der Leibarzt des Pfalzgrafen bei Rhein, des Spargels an. Er erntete im Jahre 1568 in seinem Garten in Stuttgart die ersten Spargelstangen. Im 17. und 18. Jahrhundert war Spargel jedoch bereits für das Bürgertum erschwinglich und wurde auf den Märkten der großen Städte angeboten, allerdings als ein noch eher seltenes Erzeugnis.

Die Stunde des modernen Anbaus in Deutschland schlug 1861, als der Braunschweiger Kaufmann Gustav Grahe erstmals eine Fläche von einem Hektar mit Spargel bestellte. In Frankreich dagegen wurden bereits im Jahr 1868 bei Paris auf 500 Hektar Spargel angepflanzt, der in Pariser Restaurants Absatz fand.

Mit der Verkehrserschließung durch die Eisenbahn im 19. Jahrhundert bildeten sich überregionale Märkte, die eine Ausweitung der Spargelproduktion ermöglichten. Besonders die Bauern in Gebieten mit sonst unbrauchbaren Sandböden erschlossen sich neue Einnahmequellen durch den Spargelanbau.

Im 1. und 2. Weltkrieg wurde die Spargelproduktion in Deutschland wurde fast völlig eingestellt, da die Pflanze keinerlei Nährwert besitzt und nicht als „Sattmacher“ dient. In dieser Zeit stand die Beschaffung von Grundnahrungsmitteln im Vordergrund. Nach dem 2. Weltkrieg erlebte auch der Spargelanbau zu Zeiten des allgemeinen Wohlstandes einen enormen Aufschwung.

Inzwischen gibt es rund 100 verschiedene Spargelsorten. Der bekannteste ist der Bleichspargel, der unterirdisch heranwächst. Gesundheitlich besonders wertvoll ist der Grünspargel, der im Vergleich zum Bleichspargel mehr Vitamin C und Karotin enthält und auch würziger schmeckt. Grünspargel wächst oberirdisch und entwickelt unter Einfluss der Sonne seine grüne Farbe. Er kommt jetzt mehr und mehr in Mode und erfreut sich nicht zuletzt bei Kleingärtnern wachsender Beliebtheit, schließlich ist er auch leichter zu kultivieren.

Hans-Rudolf Mengers

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