RÜSTRINGER HEIMATBUND e. V.

 

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Die Tagebücher des Caspar Harms sind eine wahre Fundgrube

Nur über einen Zeitraum von nicht einmal zwei Jahren erstrecken sich die Tagebucheintragungen des Caspar Harms. Dann enden sie abrupt, als er 1821 heiratete. Trotzdem sind die Aufzeichnungen für den Heimatforscher von großem Wert, denn sie vermitteln einen hervorragenden Einblick in die damaligen Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse. Dieter Auffarth aus Nordenham berichtete darüber einmal beim heimatkundlichen Klönabend des Rüstringer Heimatbundes.

Caspar Harms wurde 1793 in Abbehausen geboren. Über seine Jungend ist noch wenig bekannt, aber aus den Aufzeichnungen geht hervor, dass er als junger Mann mit großer Wahrscheinlichkeit beim Amt Abbehausen in Ellwürden tätig war. Schon sein Vater, der auch mit Vornamen Caspar hieß, wirkte dort als Amtsbevollmächtigter. In der Zeit von 1815 bis 1821 hieß der Amtmann Anton Carl Wardenburg.

Bisher sind zwei seiner Tagebücher aufgetaucht und von Dieter Auffarth bearbeitet worden. Das erste beginnt am Neujahrstage 1818 und endet mit demselben Jahr. Das zweite beginnt mit dem Jahre 1821 und endet am 30. April. Ob Caspar Harms noch weitere Tagebücher geschrieben hat, ist bisher nicht bekannt. Dieter Auffarth vermutet aber, dass zumindest für die Jahre 1819 und 1820 weitere Aufzeichnungen angefertigt wurden, die aber möglicherweise verschollen sind.

Für seinen Arbeitgeber, der in den Aufzeichnungen nie mit Namen, sondern immer mit dem Titel „Prinzipal“ erwähnt wird, war Harms häufig unterwegs. In Folge dessen erfahren wir in Verbindung mit den Ortschaften, die er aufsuchte, auch fast immer etwas über das Wetter und über die Wegeverhältnisse. Zu der Zeit gab es in der ganzen Umgebung noch nicht eine einzige gepflasterte Straße.

Für 1818 vermeldet Harms, dass die Wege erst zu Pfingsten, am 10. Juni, wieder gut befahrbar waren. Am 1. Mai dagegen war es noch so nass, dass es für die umziehenden Familien und Dienstboten unmöglich war, die schweren Sachen mitzunehmen. Seinem Bruder Diederich, der von Blexen nach Burhave kam, um dort eine neue Stelle anzutreten, konnten die zurückgebliebenen Sachen erst einige Tage später mit Kahn und Wagen zugestellt werden.

Immer wieder berichtet Caspar Harms auch von vergnüglichen Gesellschaften, an denen er teilnahm. Dabei ist seinen Berichten zu entnehmen, dass er auch finanziell in der Lage war, die angenehmen Seiten des Lebens zu pflegen. Kapwein und Frankenwein erwähnt er mehrmals und mehr als einmal notiert er, dass er erst gegen Morgen wieder zu Hause angekommen sei. „Ich wurde recht fidel, weil ich meine alten Freunde ... antraf. Nach einer vergnügten Nacht war ich um halb fünf wieder zu Hause“, schreibt er am 30. September 1818. Allerdings musste er auch zugeben, dass der nächste Tag ihm „recht sauer“ geworden sei.

Inzwischen hatte der junge Mann auch seine spätere Frau, Alke Margarete Menke aus Strohausen bei Rodenkirchen, kennengelernt. Nach Möglichkeit versuchte er nun die Wege so einzurichten, dass er seine Braut besuchen konnte – und wenn es auch nur für kurze Zeit war. Mit sehr einfühlsamen Worten beschreibt er seine tief empfundene Liebe zu seinem Mädchen: „Wie glücklich bin ich schon jetzt, wenn ich daran denke, diesen Engel als Weib umarmen und an mein Herz drücken zu können. Gott Lob ist dieser Tag nicht mehr fern.“

Wenig später sind die beiden dann in Abbehausen vor den Traualtar getreten. Allerdings stand die Verbindung unter keinem guten Stern, denn nach nur kurzer Ehe verstarb seine geliebte Frau. Harms ging einige Jahre später eine zweite Ehe ein. Er selbst verstarb 1839 im Alter von 45 Jahren in Stollhamm.

Seine hinterlassene Witwe betrieb nach seinem Tode zunächst in Ahndeich für einige Zeit eine Gastwirtschaft. 1852 verzog sie dann ins Kirchdorf und bewirtschaftete hier mit ihrem Sohn den neu erbauten Gasthof am Heeteufer in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche. Als „Harms‘ Hôtel“ genoss es bis weit ins vorige Jahrundert hinein einen erstklassigen Ruf. Im heutigen „Huus an’n Siel“ lebt diese alte Gasthaustradition fort.

Hans-Rudolf Mengers

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