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Die Esche: ein Baum der Marsch

Die Esche ist der Baum des Jahres 2001 ist. Dieser stattliche, in weiten Teilen Europas anzutreffende Baum verdiene auf Grund seiner großen ökologischen Bedeutung viel mehr Aufmerksamkeit, begründete das zuständige Kuratorium seine Entscheidung. Der Leiter des heimatkundlichen Klönabends, Hans-Rudolf Mengers berichtete darüber einmal bei einem Treffen dieses Arbeitskreises.

Mit einer Höhe von bis zu 40 Metern und mit ihrer imposanten kugelförmigen Krone gehört die Esche zu den auffälligsten heimischen Bäumen. Die Esche kann bis zu 300 Jahre alt werden. Da sie hohe Grundwasserstände gut verträgt, gedeiht sie sich auch auf dem feuchten Marschboden und wurde deshalb gern hier angepflanzt. „Hohe, mächtige Esche umgeben oft die stattlichen Höfe der Marschenbauern“, so formulierte bereits vor 150 Jahren der Dichter Hermann Allmers, in seinem Marschenbuch.

Die Biologen schätzen heute in erster Linie ihre ökologischen Besonderheiten. Sie hat eine besondere Strategie im Wettbewerb um das Sonnenlicht entwickelt. Mit allen Kräften kämpft um Licht und Wasser. Dabei gelingt es ihr zu Gunsten der Stammlänge das Dickenwachstum zurückzustellen und dadurch sehr schnell in die Höhe zu schießen. Die Eschenblätter haben eine enorme Reaktionsfähigkeit auf die Lichtverhältnisse. Sie drehen und biegen sich, um die Strahlen optimal auszunutzen. Darüber hinaus bietet der Baum vielen Insekten und Pilzen einen wichtigen Lebensraum.

Aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht verdient dieser Baum Beachtung. Aus dem harten aber dennoch elastischem, zähem Holz wurden früher viele Gebrauchsgegenstände hergestellt: Stiele für Geräte und Werkzeuge, Leitern und Wagenräder. Auch heute noch ist das Holz für Werkzeugstiele in Gebrauch, aber ebenso auch für Sportgeräte, Möbel und Furniere.

Die Heilwirkung der Rinde junger Eschenzweige war schon im Altertum bekannt. Man benutzte sie gegen fiebrige Erkrankungen. Auch die Blätter enthalten heilende Wirkstoffe, die, zu einem Tee aufgekocht, leicht abführend wirken und zur Regelung des Stuhlgangs und gegen Darmparasiten getrunken werden. Eschenblättertee kam auch bei fiebrigen Erkrankungen zur Senkung der Körpertemperatur, bei Nierenleiden, bei der Austreibung von Blasensteinen und bei Rheuma- und Gichtschmerzen zur Anwendung. Die Blattdroge fügte man auch Bädern zum Auswaschen von Wunden bei.

Eine besondere Rolle spielte die Esche übrigens in den Glaubensvorstellungen der Germanen. Aus dem Holz einer Esche formt Odin den ersten Menschen, einen Mann, während die Frau dazu aus der Ulme entsteht. Alles Leben rankt sich um die immergrüne Weltenesche, deren Zweige sich über Himmel und Erde ausbreiten. Auf ihrem Wipfel sitzt ein Adler, der das Weltgeschehen beobachtet, während der Baum selbst immerzu von den drei Schicksalsgöttinnen bewacht wird. Aber auch die Normen können nicht verhindern, dass ein böser Drache ständig am Wurzelwerk der Esche nagt. Das Welken des heiligen Baumes kündigt schließlich den nahenden Weltuntergang, die Götterdämmerung, an.

Hans-Rudolf Mengers

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