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Der Kirchturm war eine Gefahr für die ganze Gemeinde

In den Jahren 1857/58 erhielt die Sankt-Nikolai-Kirche in Stollhamm einen neuen Kirchturm. Über die Baugeschichte dieses markanten Gebäudes berichtete einmal Hans-Rudolf Mengers. Dabei begann die Baugeschichte des Turmes mit einer zersprungenen Glocke.

Gleich zu Beginn des Jahres 1856 war die bis dahin einzige Turmglocke geborsten, so dass sich der Kirchenrat nach Ersatz umsehen musste. Aus dem Material der alten und der Uhrenglocke sollten von dem Glockengießer von Bergen aus Stiekelkamperfehn, Ostfriesland, zwei neue Glocken hergestellt werden. Allerdings kamen schon jetzt Zweifel auf, ob das alte Turmgemäuer die neuen Glocken wohl würde tragen können. Da einige Mitglieder des Kirchenrats aber schon mit einem neuen, hohen Turm liebäugelten, sollte kein geringerer als der Baumeister der neuen Kirche zu Bremerhaven um Stellungnahme gebeten werden.

In seinem Gutachten führte der Bauconducteur Löschen aus, dass der Turm auf Grund seiner starken Neigung und des morschen Mauerwerks einsturzgefährdet sei und „so bald als möglich abgenommen werden müsse. Solches sei man der Gemeinde schuldig, um Gefahr zu verhüten.“ Der Kirchenrat wollte natürlich kein Risiko eingehen und bereits im Mai 1856 beschloss er einen Neubau. Mit dem Bau sollte Anfang 1857 begonnen werden.

Schon vorher wurden die neuen Glocken angeliefert. Sie fanden zunächst auf einem hölzernen Glockenstuhl am Rande des Friedhofs Platz. Man war mit der Ausführung sehr zufrieden und wies den Glockengießern Fremy & von Bergen die vereinbarten 1500 Taler an. Auch für den Seiler Schmidt fiel noch ein kleines Geschäft ab: Er durfte die Läuttrossen herstellen und erhielt dafür aus der Kirchenkasse 4 Taler 3 ¼ Groschen.

Inzwischen schrieb man das Jahr 1857 und mit dem Turmbau konnte begonnen werden. Zunächst aber musste das Baumaterial beschafft werden. Dazu erhielten die beiden Ältesten Rüther und Wunderlich den Auftrag, eine Reise nach Bockhorn und Umgebung zu unternehmen, um dort geeignete Steine zu kaufen, wozu sie ausdrücklich ermächtigt waren.

Dann ging es an den Abbruch des alten Turmes. Es muss ein ziemlich dickes Gemäuer gewesen sein, denn für das Wegräumen des Schuttes wurden an mehrere Annehmer insgesamt 92 Taler gezahlt. Dabei handelte es sich aber nur um den Steinbruch, denn noch brauchbare Steine sollten wieder verwendet werden. Für die Reinigung zahlte die Kirche à 1000 Stück 1 Taler 24 Groschen.

Eine lange Diskussion gab es noch über die Art der Bedachung, ob es nun Kupfer oder Schiefer sein solle. Am 2. Juli erklärte der Kirchenrat einstimmig, „dass er es wegen der größeren Solidität und Dauerhaftigkeit sehr wünschenswert fände, wenn das Kupferdach genommen werde,“ und bewilligte dazu 770 Taler. Allerdings stellte sich heraus, dass ein Kupferdach für den Preis nicht zu haben. So wurde am Ende doch die Bedachung in Schiefer vorgenommen.

Am 5. November bewilligte der Kirchenrat 20 Taler zur „Verabreichung an die Zimmerleute und Mauerleute bei dem bevorstehenden Richten des Turms“. Währenddessen war von dem Organisten Ummen eine Beschwerde beim Kirchenrat eingegangen. Er beklagte, dass durch die Baumaßnahmen der Graswuchs auf dem Kirchhof sehr gelitten habe. Ihm wurde dafür als Entschädigung „alles in allem eine Vergütung von 20 T Gold“ aus der Kirchenkasse gewährt.

Bis zum Herbst des Jahres 1858 war das ganze Bauwerk weitgehend fertiggestellt. Allerdings musste im folgenden April (1859) der Architekt noch einmal gemahnt werden, endlich die noch fehlenden Stücke, den Turm betreffend, zu liefern. Dabei handelte es sich vermutlich um die Sandsteineinfassungen für die Fenster im Turm. Und die vier Schalllochladen kamen noch hinzu. Den Auftrag dazu hatte der Schlosser Meyer in Abbehausen.

Den Auftrag für die neue Turmuhr erhielt der Uhrmacher Thöle aus Burhave für einen Betrag von 500 Taler. Inzwischen waren auch die Glocken im Turm aufgehängt worden. Das Läuten selber wurde an den Kirchenboten Friedrich Potthoff vergeben. Für 30 Taler im Jahr hatte er an allen Sonn- und Festtagen, an den Tagen davor und bei Beerdigungen die große Glocke zu läuten. Dazu gehörten auch noch das Reinigen der Pfade auf dem Kirchhof und der Grüppen um den Kirchhof.

Hans-Rudolf Mengers

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