RÜSTRINGER HEIMATBUND e. V.

 

ZURÜCK ZU HEIMATKUNDLICHE TEXTE

<<< vorheriger Text

nächster Text >>>


Bedeutender Wissenschaftler wohnte in Eckwarden

Über einige verdienstvolle Butjadinger aus vergangenen Zeiten berichtete der Heimatforschen Hans Hermann Francksen einmal beim heimatkundlichen Klönabend des Rüstringer Heimatbundes. Er bedauerte vor allem, dass man ihre Namen nicht einmal im „Biographischen Handbuch“ des Oldenburger Landes finden können, obwohl sie zu ihrer Zeit weithin bekannte und anerkannte Persönlichkeiten waren.

Zu ihnen gehörte Heinrich Wilhelm Brandes, der 1777 zwar nicht in Butjadingen, sondern bei Cuxhaven geboren wurde und 1834 als Rektor der Universität in Leipzig starb. Trotzdem hat er doch einen ganz wesentlichen Teil seines Lebenswerkes in Eckwarden vollbracht. Brandes beschäftigte sich schon früh mit dem Wasserbau an der Unterelbe und auf der Insel Neuwerk. Um dem Ganzen aber ein wissenschaftliches Fundament zu verleihen studierte er in Göttingen Mathematik und Physik. Danach erhielt er seine erste Anstellung als Deichkondukteur in Eckwarden.

Als solcher hatte er auch mathematische Berechnungen für den Deichbau und andere Küstenbefestigungen in diesem extrem gefährdeten Abschnitt durchzuführen. Dabei beobachtete er schon damals eine vermeintliche Küstensenkung, die sich allerdings später als Hebung des Meeresspiegels erweisen sollte – und das schon hundert Jahre bevor sich ein Heinrich Schütte der Erforschung dieser Erscheinung verschrieb. Übrigens hat Heinrich Wilhelm Brandes 1807 in Eckwarden jenes Haus gebaut, in dem sich heute die Gastwirtschaft „Eckwarder Hof“ befindet.

Nebenbei aber beschäftigte sich Brandes intensiv mit der Astronomie. Schon ab 1805 findet man in den Oldenburgischen Kalendern den Hinweis: Der astronomische Teil ist durch den Deichcondukteur Brandes auf den Oldenburgischen Horizont berechnet.

Um 1807 heiratete Brandes eine Tochter des Oldenburger Konsistorialrats und vormaligen Prinzenerziehers Kruse. Schon in der Verlobungszeit verspürte Brandes nun den Wunsch, seine zukünftige Frau mit der Sternenwelt bekannt zu machen. So schrieb er bereits in Eckwarden das vierbändige Werk: „Vornehmste Lehren der Astronomie in Briefen an eine Freundin“. Es war die erste gemeinverständliche Darstellung der Sternenkunde überhaupt.

Diese und weitere, meist mathematische Schriften machten Brandes in der Gelehrtenwelt so bekannt, dass man ihn 1811 als ordentlichen Professor für Mathematik und Astronomie an die Universität Breslau berief. Von dort ging er 1826 nach Leipzig, wo er auch Physik lehrte. Hier starb Brandes 1834, nachdem er gerade Rektor der Universität geworden war.

Dieser hervorragende Gelehrte, der sich in Butjadingen zumindest seine ersten wissenschaftlichen Sporen verdient hat, ist hier so gut wie vergessen – sehr zu Unrecht, wie Hans Hermann Francksen meinte.

Hans-Rudolf Mengers

NACH OBEN

 

 

HOME  |  KONTAKT  |  IMPRESSUM