RÜSTRINGER HEIMATBUND e. V.

 

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Aus dem Leben des Werner Eymers

Aus den Lebenserinnerungen des Werner Eymers berichtete Robert Bartels aus Süllwarden einmal beim heimatkundlichen Klönabend des Rüstringer Heimatbundes. Werner Eymers stammte aus Butjadingen und wurde 1907 als Sohn des Burhaver Mühlenbesitzers Paul Eymers geboren. Anfang der 70er Jahre hat er begonnen, seine Erinnerungen aufzuzeichnen. Sie sind von seltener Ausführlichkeit und umfassen fast 150 Schreibmaschinenseiten.

Mochte es auch zunächst so erscheinen, als sei sein Weg als Sohn eines wohl situierten Windmüllers im Wesentlichen vorgezeichnet, so ist man doch überrascht über die vielen schicksalhaften Wendungen in seiner Biographie. Natürlich waren sie auch geprägt durch die politische Entwicklung aber auch von persönlichen und familiären Ereignissen.

Andererseits aber zieht sich wie ein roter Faden durch sein gesamtes Leben eine große Begeisterung für den Sport, insbesondere für das Turnen. Dabei war seine erste Turnstunde im TV Burhave alles andere erfreulich. Weil er noch nicht zur Schule ging, haperte es beim Abzählen, da er noch nicht weiter als bis 20 zählen konnte – und ist dafür von den Älteren ausgelacht worden. Nach 14 Tagen konnte er bis 100 zählen und kehrte stolz zurück.

Neben der Begeisterung stellten sich später auch beachtliche sportliche Erfolge ein. So war Werner Eymers zeitweilig Mitglied der oldenburgischen Landesriege und hatte Auftritte bei den deutschen Turnfesten in München, Köln, Osnabrück und Oldenburg. Als 12-Kämpfer gehörte er zu den Besten der Gegend. Durch den Sport bekam er auch viele Verbindungen mit den bekannten Sportlern jener Zeit. Georg Lammers aus Burhave, Bernhard Timm, Deutscher Meister im 10Kampf, und auch Friedel Dahms, Deutscher Meister im 110m-Hürdenlauf gehörten zu seinen Bekannten.

Auch beruflich hatte er immer wieder mit dem Sport zu tun. So war er von 1948 bis 1954 Platzwart und Trainer in Westerstede auf der Hössensportanlage der TSG Westerstede. Diese über 30 Hektar große Anlage war zu der Zeit einer der schönsten im ganzen Norddeutschen Raum. Neben einem regen Turn und Sportbetrieb fanden hier auch viele Großveranstaltungen statt. Als einziger Wirt auf dem Gelände hatte Eymers zusammen mit seiner Frau, den Kindern und einigen Helfern auch für die Bewirtung der Gäste zu sorgen.

Auf seine Initiative hin entstand auf dem Gelände auch noch eine Jugendherberge. Sie hatte bald 120 Betten und eine jährliche Übernachtungszahl von ca. 16.000 Belegungen. Die starke Wanderbewegung jener Tage führte manchmal dazu, dass die Herberge total überbelegt war. Einmal zu Pfingsten, so berichtete Eymers, seien gar 150 Übernachtungen verbucht worden, da sie zuletzt Notbetten und Luftmatratzen ausgegeben hätten. Sogar im Schuppen bei den Hühnern fanden sich die müden Wanderer ein. 1953 wurden die Gebäude noch weiter ausgebaut zur Aufnahme einer DeulaSchule und einer Bezirkssportschule. Diese Einrichtungen ergänzten sich mit der Jugendherberge in idealer Weise.

Ende des Jahres 1954 erfolgte eine neue berufliche Orientierung. Eymers bewarb sich zusammen mit seiner Frau um die Stelle des Heimleiterpaares für die neu errichtete Landesturnschule in Melle. Diese Aufgabe haben sie gemeinsam 16 Jahre bis zum Eintritt in den Ruhestand ausgeübt. Neben seiner starken beruflichen Belastung fand Werner Eymers aber auch Zeit für ehrenamtliche Betätigung. Er war zeitweise Kinder und Jugendturnwart im Turngau und im Kreissportbund, dann sogar Lehrwart im Oldenburgischen Turnbezirk.

Aber Eymers schildert nicht nur seine sportlichen und beruflichen Ambitionen, sondern auch sehr detailliert aus seiner Jugendzeit in Burhave, von seinen Tätigkeiten auf verschiedenen Höfen, von der Zeit als selbstständiger Landwirt, Deicharbeiter und Werkarbeiter in Nordenham, schließlich auch aus der Soldatenzeit. Stets bringt er dabei auch seine Gedanken zu den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen mit ein. Den Ausführungen ist eine ausführliche Familiengeschichte vorangestellt, und sie enden schließlich mit den Berichten von zahlreichen Reisen in die nähere und weitere Umgebung.

Alles in allem erwiesen sich die Lebenserinnerungen des Werner Eymers als ein sehr aufschlussreiches und zugleich bewegendes zeithistorisches Dokument, dessen Vortrag die Besucher des Klönabends mit großem Interesse folgten. Robert Bartels erhielt viel Lob für sein Verdienst, diese Aufzeichnungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben.

Hans-Rudolf Mengers

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